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„Denkt an die Macht der Worte!“

Prof. Erika Rosenberg zu Besuch an der Naabtal-Realschule

Bereits zum wiederholten Mal besucht Frau Professor Erika Rosenberg, Journalistin und Historikerin, die 10. Klassen der Naabtal-Realschule in Nabburg, um über die Rettung von über 1200 Juden und vielen Zwangsarbeitern in der NS-Zeit zu berichten.

In seinen Begrüßungsworten erinnert sich 2. Konrektor Thomas Spörer an die 70er und 80er Jahre, in denen die Menschen lernten, wieder aufeinander zuzugehen und ihre Meinung frei zu äußern. Heute leben viele oftmals wieder in ihrer Anonymität und rivalisieren untereinander, nicht nur persönlich, sondern auch auf politischer Ebene. Er appelliert an das Demokratiedenken der Schüler, warnt aber auch vor dem gefährlichen Unterwandern dieses grundlegenden Aspekts unserer Gesellschaft. Damit sich dies nie mehr wiederholt, muss man in die Geschichte zurückblicken und die Fehler von damals beachten.

Die Referentin Erika Rosenberg unterstützt durch ihre regelmäßigen Vorträge immer wieder das Motto der Naabtal-Realschule als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Erinnern und erzählen. Sie selbst, Tochter deutscher Juden, die 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Argentinien flohen, bezeichnet sich als neugierigen und rebellischen Menschen. Bei Recherchen als Historikerin für ein neues Buch stieß sie auf Emilie Schindler, die Frau an Oskars Schindlers Seite. Dieser war ein deutschmähriger Unternehmer, der 1200 Juden vor dem sicheren Tod bewahrte, indem er sie in seiner Emaillefabrik einstellte. Immer mehr kristallisierte sich jedoch in persönlichen Gesprächen die mutige und tragende Rolle seiner Ehefrau Emilie bei der Rettung der Gefangenen heraus. Rosenberg versteht es einerseits, den Schülerinnen und Schülern, Oskar Schindler als stolzen Geschäftsmann vorzustellen, der aber über 2000 Tage damit konfrontiert war, in Todesgefahr zu leben. Andererseits weist sie die Zuhörer auf einige verzerrende Aspekte, vor allem im Film „Schindlers Liste“, hin. Dort wird er in Hollywoodmanier als Mann regelrecht glorifiziert. Die Schriftstellerin will aber an die unmaskierten Schindlers erinnern, vor allem an Emilie, welche die Häftlinge im Lager Plaszow mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgte und sie wie Menschen behandelte. Zivilcouragiert nahm sie im Alleingang weitere Arbeiter in ihrer Fabrik in Brünnlitz auf, alles andere wäre deren sicherer Tod gewesen.

Mit einem ermutigenden Zitat aus dem Talmud beschließt Frau Rosenberg ihren Vortrag: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“ Sie knüpft nochmals an die Einführungsworte des 2. Konrektors an und bestärkt die Jugendlichen darin, nicht an den Werten wie Freiheit oder Frieden zu zweifeln. Sie sollen an die Macht der Worte jedes einzelnen denken und Orte der Begegnung und Erinnerung, auch für diese grausamen Taten in der Vergangenheit, schaffen. Dieses Ansinnen unterstützt die Naabtal-Realschule seit vielen Jahren unter anderem durch die Besuche der Stolpersteine in der Altstadt und durch die jährlichen Fahrten aller 10. Klassen ins ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg.

Katrin Held